Nachhaltigkeitsteams im Wettbewerb um Relevanz: Warum ihre Positionierung über Impact entscheidet

Nachhaltigkeit erfährt aktuell ziemlich viel Gegenwind: Regulierung, gesellschaftlicher Druck und Medien sorgten lange dafür, dass das Thema in Unternehmen an Bedeutung gewann. Doch die Dynamik verändert sich. Politische Unsicherheiten, wirtschaftlicher Druck und neue strategische Prioritäten verschieben die Aufmerksamkeit in den Führungsetagen. Was bedeutet das für Nachhaltigkeitsteams? Droht ein Bedeutungsverlust für nachhaltiges Wirtschaften oder beginnt eine Phase, in der sie ihren Wertbeitrag deutlich klarer positionieren und kommunizieren müssen?

Nachhaltigkeit ist breit verankert, aber die Transformation verlangsamt sich

Ein Blick auf die Ergebnisse des Sustainability Transformation Monitor 2026 (STM) zeichnet ein klares Bild der aktuellen Lage in deutschen Unternehmen: Nachhaltigkeit ist organisatorisch breit verankert – doch die Dynamik der Transformation hat sich spürbar verlangsamt.

In vielen Unternehmen existieren inzwischen Nachhaltigkeitsstrategien, entsprechende Verantwortlichkeiten auf Geschäftsführungs- oder Vorstandsebene sowie eigene Organisationseinheiten. Nachhaltigkeit ist damit strukturell in der Unternehmensrealität angekommen. Gleichzeitig nimmt ihre Priorität in internen Debatten ab. In Zeiten multipler Krisen konkurriert sie zunehmend mit anderen strategischen Themen um Aufmerksamkeit und Ressourcen.

Entsprechend verändern sich auch die Treiberwirkungen der Anspruchsgruppen. Politik / Regulierung wird aus Sicht vieler Unternehmen vom Treiber zum Hemmnis und die Medien verlieren deutlich an positivem Einfluss. Andere Anspruchsgruppen bleiben dagegen weiterhin überwiegend positive Treiber: Zukünftige Arbeitnehmende, das Management, die junge Generation sowie Wettbewerber und Geschäftspartner.

Die STM-Autoren vermuten im Fehlen wirtschaftlicher Anreize einen möglichen Erklärungsansatz für die Prioritätenverschiebung und schließen:

„Ohne einen klaren Business Case und ein überzeugendes ökonomisches Narrativ gerät Nachhaltigkeit als Thema, das mit anderen strategischen Herausforderungen um Aufmerksamkeit und Ressourcen konkurriert, zunehmend unter Druck. […] Der Business Case von Nachhaltigkeit wird damit zu einem zentralen Entscheidungskriterium für Investitionen und strategische Prioritäten in Unternehmen. Wo er nicht erkennbar ist, geraten Transformationsvorhaben leichter unter Druck oder werden zeitlich verschoben.“ (Sustainability Transformation Monitor 2026, Seite 24)

Anders ausgedrückt: Transformation braucht Kommunikation - und umgekehrt. Nachhaltigkeitsteams können operativ viel bewegen, verlieren aber an strategischer Anschlussfähigkeit, wenn ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg nicht klar positioniert und kommuniziert wird. Genau hier entscheidet sich der tatsächliche Impact von Nachhaltigkeitsteams. Wer sich als Führungskraft um eine strategische Positionierung und Kommunikation der eigenen Funktion kümmert, sorgt aktiv dafür, dass eine gefährliche Lücke zwischen Wertbeitrag und Wertwahrnehmung gar nicht erst entstehen kann.

Positionierung ist eine Führungsentscheidung

Positionierung ist eine strategische Führungsentscheidung. Sie beantwortet eine einfache und entscheidende Frage: Wofür steht das Nachhaltigkeitsteam in unserem Unternehmen? Konkreter: Welchen Zweck erfüllt das Team in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit, Innovation oder Risikominimierung? Wo und bei wem spielen wir eine Rolle - oder auch nicht? Wo leisten wir einen echten Mehrwert für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens?

Der Hintergrund: In Organisationen existiert ein permanenter Wettbewerb um Relevanz. Transformationsthemen konkurrieren um Budgets, Aufmerksamkeit und Managementkapazitäten. Digitalisierung, KI, Effizienzprogramme oder Wachstumsinitiativen treten dabei in der Regel nicht gegen Nachhaltigkeit an – sie konkurrieren mit ihr um denselben strategischen Raum. Daher kann es mithin auch sinnvoll sein, eigene Prioritäten an Themen auszurichten und Allianzen zu identifizieren, die kurz- bis mittelfristig Opportunitäten für mehr Impact versprechen.

Wenn Nachhaltigkeitsteams ihre Rolle in diesem Wettbewerb nicht aktiv definieren, tun dies andere Akteure für sie. Häufig reduziert sich ihre Wahrnehmung dann auf die Compliance- oder Reporting-Rolle. Das schafft zwar Klarheit, aber selten große Gestaltungsmacht.

Eine klares Profil entfaltet mehr Wirkung

Die Herausforderung besteht darin, für die zentralen Anspruchsgruppen intern wie extern anschlussfähig zu bleiben. Das gilt in Richtung des Managements genauso wie für andere Abteilungen und allen Mitarbeitenden, auf deren Mitarbeit man angewiesen ist. Ein klares Profil ermöglicht innerhalb des Nachhaltigkeitsteams ein gemeinsames Verständnis und sorgt für ein einheitliches Auftreten. Nach außen schafft es Orientierung, Anschlussfähigkeit und Wirkung.

Eine klare Positionierung der Nachhaltigkeitsfunktion bedient damit folgende drei Hebel für mehr positive Wirkung:

1) Strategische Klarheit über Rolle und Wertbeitrag

Eine geschärfte Positionierung macht sichtbar, wofür das Nachhaltigkeitsteam steht – und wofür nicht. Sie definiert den konkreten Wertbeitrag für sich selbst und alle zentralen Anspruchsgruppen. Sie schafft Orientierung im Unternehmen und entlastet von diffusen oder widersprüchlichen Erwartungen.

2) Mehr Einfluss und neue Entscheidungsräume

Wer klar positioniert ist, gewinnt Handlungs- und Steuerungsfähigkeit. Nachhaltigkeitsteams erhalten besseren Zugang zu relevanten Entscheidungsforen, erhöhen Ihren Durchgriff bei kritischen Themen und verschieben Nachhaltigkeit in den strategischen Diskurs.

3) Anschlussfähigkeit durch klare Kommunikation

Positionierung schafft sprachliche Klarheit. Nachhaltigkeitsteams können Ihren Beitrag zielgruppengerecht kommunizieren und bauen dadurch strategische Allianzen auf. So entsteht Anschlussfähigkeit im gesamten Unternehmen – und Ihr tatsächlicher Impact wird sichtbar und wirksam.

Erste Schritte zur aktiven Positionierung

Eine klare Positionierung entsteht selten über Nacht und sie beginnt meist mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme:

  • Welche Rolle spielt das eigene Nachhaltigkeitsteam heute tatsächlich in strategischen Entscheidungen?

  • Wo wird das Team frühzeitig eingebunden – und wo erst dann, wenn Projekte bereits weitgehend definiert sind?

  • Und wie klar ist der eigene Wertbeitrag für Geschäftsführung, Fachbereiche und andere zentrale Stakeholder formuliert?

Für viele Nachhaltigkeitsteams lohnt es sich, diese Fragen systematisch zu reflektieren – etwa entlang von drei Perspektiven: dem eigenen Selbstverständnis als Funktion im Unternehmen, der aktuellen Wahrnehmung durch das Management sowie der strukturellen Verankerung in Entscheidungs- und Steuerungsprozessen. Aus dieser Analyse lässt sich oft bereits erkennen, ob und wo eine klarere Positionierung Wirkung entfalten könnte.

Den Gegenwind für mehr Aufwind nutzen

Wenn Sie den Blick auf die eigene Rolle vertiefen möchten, finden Sie auf dieser Webseite eine Einführung in unseren Aufwind-Ansatz zur Positionierung von Nachhaltigkeitsteams. Dort können Sie auch den Aufwind-Check nutzen – ein kurzes Self-Assessment, das dabei hilft, die eigene Ausgangssituation zu reflektieren und mögliche nächste Schritte für eine stärkere strategische Verankerung und entsprechende Kommunikation abzuleiten.

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